Delikatesse bei den Römern

Im alten Rom wurde der Siebenschläfer gehegt und gepflegt. Die Römer waren allerdings keine Tierfreunde, sondern Feinschmecker. Fette Siebenschläfer waren damals eine besondere Delikatesse. In gemauerten Freigehegen, sogenannten „Glirarien“ wurden die Tiere in rauen Mengen gezüchtet und vermehrt. Bei Bedarf fischte man sich einige Exemplare heraus und steckte sie in große fassartige Tontöpfe von gut einem halben Meter Durchmesser, die ersten Hamsterkäfige. In diesen Behältern wurden die Nager mit Kastanien, Nüssen und Eicheln gemästet bis sie richtig feist waren und im Bräter landeten. Der Begriff „Glirarium“ leitet sich vom lateinische Namen des Siebenschläfers „glis“ ab, ebenso wie sein Südtiroler Name „Greil“ oder „Gleir“.

Dass das graue Nagetier auch anderswo gerne auf der Speisekarte landete, beweist auch sein englischer Name: „edible dormouse“. Die wörtliche Übersetzung „essbare Schlafmaus“ bedarf keiner weiteren Erklärung. In Slowenien ist die Siebenschläferjagd seit Jahrhunderten eine ländlich-volkstümliche Tradition und wird sogar von der Europäischen Union anerkannt, sodass die Tiere dort vom Europäischen Schutz ausgenommen sind.

Die Tiere werden nicht nur gebraten. Auch in der Medizin findet der Siebenschläfer Verwendung. Sein Fett soll angeblich Wunden heilen sowie Magen und Darm sanieren. Schließlich ist auch das weiche und mollige Fell des Nagers sehr gefragt. Die slowenische „Polhovka“, eine Pelzmütze wird daraus gefertigt. Die Siebenschläferjagd in Slowenien beginnt am 1. Oktober und dauert bis Ende November, wenn sich die Nager in ihre sicheren Überwinterungsverstecke zurückziehen.

In Südtirol wurden Siebenschläfer bis in die Siebzigerjahre gejagt. Allerdings weniger aus kulinarischen Gründen, sondern vielmehr als ungeliebter Schädling im Obst- und Weinbau. Anders in einigen anderen Regionen Italiens. Wie viele Siebenschläfer dort heute immer noch in der Küche enden, ist unbekannt. „Ghiro in tegame“ ist nämlich mancherorts eine lokaltypische Spezialität, zum Beispiel in Kalabrien.

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