Wildtier SOS
Wann helfen, wann nicht?
Wer ein verletztes, krankes oder scheinbar verlassenes Wildtier findet, will helfen. Doch viele Tiere wirken hilflos, sind es aber nicht und nicht immer ist ein Eingreifen gut für das Tier. Wann helfen? Und wie?
Wann helfen?
- Nur helfen, wenn ein Wildtier sichtlich verletzt, krank oder in Gefahr ist.
- Verwaisten gesunden Jungtieren erst helfen, wenn das Muttertier nach einigen Stunden nicht zurückkehrt oder in unmittelbarer Nähe tot aufgefunden wurde.
- Tiere, die von einer Katze oder von einem Hund verletzt wurden, brauchen immer Hilfe
BITTE BEDENKEN
- Nicht sofort eingreifen! Abstand halten und beobachten.
- Stellen Sie sich immer die Frage, ob es sinnvoll ist, einem Wildtier zu helfen, oder ob es nicht besser der Natur überlassen wird. Verletzung, Krankheit, natürliche Auslese und Tod gehören zum natürlichen Kreislauf.
- Wildtiere, vor allem Jungtiere nie anfassen, wenn es nicht notwendig ist.
- Katzen und Hunde fernhalten.
- Wildtiere leiden in Gefangenschaft, sie gehören in die Natur. Die Nähe zum Menschen bedeutet Stress.
- Wer ein Wildtier aufnimmt, übernimmt die Verantwortung und trägt anfallende Kosten.
Vögel
Federlose Jungvögel (Nestlinge)
sollten, wenn möglich, ins Nest zurückgelegt werden. Die Vogeleltern kommen regelmäßig zum Füttern. Ansonsten kann der Nestling in unmittelbarer Nähe des Fundortes außerhalb der Reichweite von Katzen in einen Karton ohne Deckel gelegt werden. Meist kehren die Eltern zurück und füttern das Jungtier weiter. Oftmals werden kranke und schwache Jungvögel aber von den Eltern selbst aus dem Nest geworfen – auch das gehört zur Natur.
Befiederte Jungvögel (Ästlinge)
wagen meist ihre ersten Flugversuche. Die Eltern stehen dabei in Rufkontakt mit dem Nachwuchs und füttern ihn am Boden weiter. Wenn der Jungvogel wach und unverletzt wirkt, ist Hilfe meist nicht nötig. Haustiere fernhalten. In der Nähe einer Straße sollte ein Jungvogel ins nächste schützende Geäst gesetzt werden. Nur wenn er verletzt ist oder die Vogeleltern nach mehreren Stunden nicht zurückkehren, ist menschliche Hilfe gefragt: Pflegezentrum CRAB oder Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol kontaktieren.
Junge Wasservögel, Raufuß- und Feldhühner
sind so genannte Nestflüchter. Sie können gleich nach dem Schlüpfen sehen, laufen und Nahrung suchen. Normalerweise sind die Eltern in der Nähe der Jungen. Auch hier nur eingreifen, wenn ein Küken längere Zeit allein umherirrt. Auf keinen Fall die Küken einem anderen Muttervogel unterschieben, da es von der fremden Mutter vertrieben oder getötet werden könnte. Pflegezentrum CRAB oder Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol kontaktieren.
Junge Eulen
verlassen das Nest aus Platzgründen schon früh und sitzen im Geäst oder am Boden bis sie richtig fliegen können. Dank der kräftigen Krallen schaffen sie es allein, flatternd den Baum hochzuklettern. Auch sie brauchen nur Hilfe, wenn sie verletzt oder in Gefahr sind. Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol kontaktieren.
Jungvögel von Hand aufzuziehen ist sehr anspruchsvoll und gehört in erfahrene Hände. Hilfsbedürftige Greifvögel brauchen immer eine fachkundige Obhut: Pflegezentrum CRAB oder Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol.
Säugetiere
Rehkitze, Junghasen, Rotwildkälber
verstecken sich meist im hohen Gras und brauchen keine Hilfe, sondern Ruhe. Wahrscheinlich ist die Mutter ganz in der Nähe und kehrt erst zum Nachwuchs zurück, wenn sie die menschliche Anwesenheit nicht mehr wahrnimmt. Säugetiermütter legen ihre Jungen oft stundenlang an einem sicheren Ort ab, um auf Nahrungssuche zu gehen. Verletzte, verwaiste oder kranke Jungtiere über die Notrufnummer 112 melden.
Allein heißt nicht hilflos.
Erst schauen – dann handeln.
Siebenschläfer und Eichhörnchen
kommen in einem schützenden Nest zur Welt. Aus dem Nest gefallene Jungtiere holt die Mutter normalerweise zurück ins Nest. Auf Wegen oder in offenem Gelände aufgefundene Jungtiere nahe dem Fundort geschützt im Gehölz abgelegen. Nur verletzte oder verwaiste Junge brauchen Hilfe. Pflegezentrum CRAB kontaktieren.
Fledermäuse,
die offensichtlich verletzt sind oder am Boden liegen brauchen Hilfe. Verirrt sich eine Fledermaus in einen Wohnraum, den Raum abdunkeln, nicht betreten und abends alle Fenster weit öffnen, damit die Fledermaus selbstständig wieder hinausfliegen kann. Im Notfall das Tier vorsichtig mit einem Tuch oder dicken Handschuhen sichern und in einen dunklen, luftdurchlässigen Behälter mit ausgelegtem Küchenpapier und etwas Wasser setzen. Bei Fragen das CRAB kontaktieren.

Igel
sind häufig in Siedlungsnähe anzutreffen und suchen nachts nach Nahrung. Wenn sie hingegen tagsüber aktiv sind, brauchen sie meist Hilfe. Stark unterernährte Tiere haben es schwer beim Überwintern. Wer helfen will, kann ungesalzenes Rührei oder gekochtes Hühnerfleisch und Wasser bereitstellen. Igel niemals ins warme Haus holen oder mit Milch füttern! Igel, die bei Frost und Schnee unterwegs sind, verletzte und kranke Tiere sowie verwaiste Jungtiere ins Pflegezentrum CRAB bringen.

Füchse, Dachse und Marder
können beißen und schwere Krankheiten übertragen. Sowohl junge als auch ausgewachsene Tiere, die nicht vor Menschen flüchten, sind mit großer Wahrscheinlichkeit krank. Daher Abstand halten, nicht anfassen und die Notrufnummer 112 informieren.
Verunfallte Wildtiere
Im Straßenverkehr verletzte Tiere, aber auch Wild, das sich nicht eigenständig aus einer Notsituation befreien kann, das in einem Zaun oder Netz hängt, braucht immer unsere Hilfe.
Vorsicht: Tiere können in Todesangst den Helfenden mit Geweih, Hufen, Krallen, Zähnen oder Schnabel verletzen. Hier ist die Notrufnummer 112 zu informieren.
So erkenne ich kranke Tiere
- Brüche von Flügeln oder Gliedmaßen, starke Blutung, abgemagert, kahle Körperstellen
- apathisches, artuntypisches und orientierungsloses Verhalten
- keine natürliche Scheu vor dem Menschen
Sicherheit geht vor
Bei Kontakt mit dem Menschen kann ein Wildtier in Panik geraten und Sie oder sich selbst verletzen. Tiere mit Handschuhen oder mit einem Tuch aufheben, um sich vor Verletzungen und Krankheiten zu schützen. Im Straßenverkehr oder im gefährlichen Gelände immer auf die eigene Sicherheit achten und nur helfen, wenn dies gefahrlos möglich ist.
Wie transportieren?
Wildtiere am besten in einem dunklen, eng bemessenen Karton mit Luftlöchern transportieren. Die Dunkelheit beruhigt die Tiere und in einem engen Karton verletzen sie sich nicht so leicht. Ein Handtuch auf dem Kartonboden verhindert das Hin- und Herrutschen.
Richtige Pflege
Menschen können die Tiereltern niemals ersetzen. Die Handaufzucht von Jungtieren sollte Fachleuten überlassen werden, denn Fehler bei der Fütterung und Aufzucht können gerade für Jungtiere lebensbedrohlich sein. Wildtiere erleben die Nähe zum Menschen und die Pflege als Stress. Dies sollte immer bedacht werden. Bei der Rettung den Kontakt mit dem Tier auf ein Minimum beschränken, das Tier nicht streicheln oder unnötig berühren.
Zurück in die Natur!
Das Ziel einer erfolgreichen Pflege sollte immer die Rückführung in die freie Wildbahn sein. Doch auf den Menschen geprägte Tiere können kaum mehr ausgewildert werden. Wer also keine Erfahrung mit der Aufzucht wilder Findelkinder hat, sollte dies Fachleuten überlassen.
Was sagt das Gesetz?
In Südtirol stehen Wildtiere unter dem Jagd- und Naturschutzrecht. Dieses besagt, dass Wildtiere nicht einfach privat aufgenommen und gepflegt werden dürfen. Die Haltung erfordert eine Genehmigung. Kranke oder verletzte Tiere dürfen aber in Sicherheit gebracht und an das Pflegezentrum CRAB oder das Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol übergeben werden. Jagdbares Wild wie Reh, Feldhase oder Fuchs fallen unter die Zuständigkeit des örtlichen Jagdrevieres und können dort gemeldet werden. Die Meldung kann zudem jederzeit über die Notrufnummer 112 erfolgen.
Kollisionen von Wildtieren mit einem Fahrzeug muss der Lenker immer an die Notrufnummer 112 melden.
Wichtige Kontakte
Notrufnummer 112
Bei jeglichen Notfällen und Wildunfällen
Pflegezentrum für Vogelfauna Schloss Tirol
Bei hilfsbedürftigen Vögeln und Greifvögeln
Schlossweg 25,
39019 Dorf Tirol
Tel. + 39 0473 221500
für Notfälle: +39 335 523 6633
CRAB - Pflegezentrum für Wildtiere
Bei kleinen Wildsäugern und Vögeln
Mühlbachpromenande 22,
39100 Bozen
Tel. +39 0471 976158
Achtung: Tierärzte sind grundsätzlich nicht für Wildtiere zuständig!

