Gamsräude: Was tun und was nicht?
17. September 2026
Eine im April 2026 veröffentlichte Übersicht zum wissenschaftlichen Forschungsstand der Gamsräude zeigt, dass bisherige Ansätze oft wirkungslos bleiben und nicht mehr empfohlen werden: Es ist erwiesen, dass das Erlegen aller räudeverdächtigen Stücke die Seuche nicht stoppt. Über 40 % der Gamsen werden fälschlicherweise als räudig angesprochen und erlegt – darunter auch jene Stücke, die vielleicht resistent oder immun sind und die der Gamsbestand dringend braucht. Ein Erlegen ist nur bei Stücken im Endstadium aus Tierschutzgründen sinnvoll. Radikale Bestandsreduzierungen oder der Einsatz von Medikamenten bringen keine nachhaltigen Erfolge. Vor allem Reduktionsabschüsse haben keinen nachweislichen Erfolg, sondern zeigen gravierende Auswirkungen auf den Bestand und dessen Sozialstruktur.
Empfohlen wird hingegen, die Jagd während der Räudewelle zeitlich und räumlich auszusetzen. Dadurch fällt ein zusätzlicher Sterblichkeitsfaktor weg, mehr Stücke mit potenzieller Resistenz überleben und der Bestand erholt sich deutlich schneller. Wenn die Fallzahlen gegen null gehen, kann die Jagd schrittweise wieder aufgenommen werden. Grundlage für jedes Handeln bleiben ein konsequentes Monitoring der Altersstruktur sowie eine gezielte Aufklärung aller Beteiligten, um die Jagd entsprechend anzupassen.
Die Autoren betonen, dass die Gamsräude mit den derzeit verfügbaren Maßnahmen nicht ausgerottet werden kann und sich der Erreger in Wildpopulationen dauerhaft etabliert. Werden Maßnahmen ergriffen, dürfen diese keinesfalls die Situation des Gamsbestandes verschlechtern. Es gilt, die Räude bei der Bewirtschaftung von Gamswild mit einzuberechnen und den jagdlichen Eingriff ausschließlich am Bestand und an dessen Zustand zu orientieren.
Die Erkenntnisse der Publikation werden in der aktuellen Südtiroler Jägerzeitung (Ausgabe 3/2026) zusammengefasst.
Die vollständige Publikation (in italienischer Sprache) findet sich hier zum Download: OPINIONE SCIENTIFICA SULLA ROGNA NEGLI UNGULATI DI MONTAGNA



